Sträuner und Herumtreiber

Überrascht erwiderte Emil "Wie 'Welche Viecher' ? Hamse dich in Ruhe jelassen jestern als de kamst ? Ick gloob die werden ooch langsam alt.". Er staunte nicht schlecht und als er es innerlich verarbeitet hatte, fuhr er fort "Gretls Katzen natürlich. Ham sich die letzten Jahre alleene durchjeboxt mit Mäuse undso. Jeh ma raus, wirste schon überleben ... wahrscheinlich ... hoffentlich."

Mit einem flauen Gefühl im Magen trat Almer heraus aus dem alten und ziemlich heruntergekommenen Haus. Die kühle Morgenluft empfing ihn und die im Osten aufgehende Sonne tauchte die heruntergekommenen kleinen Felder vor dem Haus in ein kleines glitzerndes Schauspiel, wenn sich das Licht in dem Tau brach. Noch erinnerte er sich selbst daran auf der Hut zu sein vor den Katzen, die ihn am Vorabend aus dem Feld heraus beobachtet hatten.

Der junge Druide schaute sich kurz um. Hier war alles zwar schlecht gepflegt, aber auch sehr übersichtlich. So konnte er schnell einen kleinen eingestürzten Unterstand an der Seite des Hauses ausmachen. Schon als er hinging, beschlich ihn wieder das Gefühl, beobachtet zu werden, aber er konnte niemanden ausmachen. Wie auch ? Wenn Katzen sich nicht gerade nachts durch die Reflektionen ihrer Augen verrieten, waren die kleinen Vierbeiner nicht auszumachen, wenn sie es nicht wollten.

Almer zog kurz an dem eingestürzten Dach mit dem Ergebnis, dass es ihm noch weiter entgegen kam. Darunter begraben lagen kleine Holzscheite, aber in diesem Zustand war das ehemalige Holzlager nicht zu gebrauchen. Als er sich wieder aufrichtete, fiel sein Blick auf ein paar wenige Äste, die der Alte wohl daneben zusammengetragen hatte. Das Emil in seinem körperlichen Zustand überhaupt noch raus ging hielt ihn vermutlich noch einigermaßen fit - wenn auch mehr natürlich immer besser wäre.

Eingeklemmt unter dem Dach sah Almer auch eine verrostete Axt, die er mit ein paar Rucks befreien konnte. Besonders scharf war sie nicht, aber es würde schon reichen, um auf einem Baumstumpf kurz vor dem Waldrand ein paar Baumscheiben in handliche Holzscheite zu zerteilen. Die Scheiben, die dort lagen, waren schon ziemlich morsch und teilweise mit Moos bewachsen. Morsch - das heißt zwar wenig Brennwert, aber immerhin auch wenig Wiederstand für die Axt und so konnte selbst der schmächtige Almer Erfolge erzielen.

Während die Axt von der Benutzung immer mehr ihres Rostes verlor, wuchs der kleine Holzstapel neben dem Jungen nicht in der Geschwindigkeit, in der seine Kraft abnahm. Der Schweiß rann ihm den Rücken und auch schnell die Stirn hinab. Nach einer Erschöpfung als hätte er schon viele Stunden am Hackblock verbracht, schaute er zur Sonne. Wenn es hoch kam, war er seit einer Stunde am Werk. Nach dem Motto "Wer viel arbeitet, muss sich auch viel ausruhen." setzte er sich auf dem Baumstumpf, betrachtete er seinen jämmerlich kleinen Haufen gespaltenen Holzes und den Wald dahinter.

Den Moment genießend schloss er die Augen. Da er sich nicht mehr körperlich betätigte, kühlte der Wind den Schweiß auf seiner Haut stark ab, aber das war Almer in diesem Augenblick egal. Die Sonne spendete etwas Wärme und lies die Haut angenehm prickeln. Der Geruch von frisch gespaltenem Holz stieg in seine Nase und das tiefe Gefühl von Frieden trug seine Gedanken fort. Was seine Zwillingsschwester Imra gerade trieb ? Egal was ihre Aufgabe war, sie würde vermutlich wie immer als Erste nach Hause zurückkehren. Wobei ... wenn er so weit in den Süden bis zum Wald von Tethir reisen musste zu diesem Ritual, dann würde ihr Weg vermutlich nicht viel kürzer sein.

Als er sich aus seinen Träumereien losriss, musste er nicht mal die Augen öffnen um zu merken, dass er schon wieder den Anhänger seines Vaters in der Hand hielt. Die blanke kupferne Oberfläche fühlte sich kalt an und erinnerte ihn daran, dass er noch eine weitere Aufgabe erhalten hatte - die kleinen Geister dieser Welt finden.

Obwohl Almer die Stille dieses Ortes noch länger hätte genießen können, lag noch ein ganzer Tag (Arbeit) vor ihm. Er öffnete seine Augen und blickte auf seinen wenige Zentimeter entfernten Holzstapel - auf dem ein großer Kater saß und ihn mit großen gelben Augen intensiv musterte. Die besten Jahre hatte er schon hinter sich, aber da war ein intensives Feuer in den Augen. Über einem davon prangte eine lange Narbe, an der sich das Fell nicht so richtig nachgebildet hatte. Die Ohren waren an den Rändern angeknabbert und leicht zerpflückt von Prügeleien mit anderen Katern oder was sich hier sonst noch so rumtrieb. Das früher schwarze Fell wurde grau und Almer war sofort klar, was er hier vor sich hatte: einen alten Sträuner und Herumtreiber.


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